Dr. med. Chris Winkler, 06.03.2026  

Abnehmspritzen absetzen 

Was passiert danach mit dem Gewicht?

Warum diese Frage so viele beschäftigt

Wer mit Semaglutid oder Tirzepatid abnimmt, fragt sich früher oder später: Was passiert, wenn ich aufhöre? Kehren die Kilos zurück? Und wenn ja, wie schnell?

Diese Fragen sind berechtigt – und die Antworten sind nicht einfach. Eine im März 2026 im Fachjournal "The Lancet" veröffentlichte Studie liefert dazu aktuell die umfangreichste Datengrundlage. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und hilft Ihnen, sie realistisch einzuordnen.

Wie diese Medikamente wirken

Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid gehören zur Wirkstoffgruppe der sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Diese Wirkstoffe ahmen einen körpereigenen Botenstoff nach, der das Sättigungsgefühl beeinflusst und den Appetit dämpft. Dadurch wird es leichter, weniger zu essen. 

Die Gewichtsreduktionen, die in bisherigen Studien während der Anwendung der Wirkstoffe beobachtet wurden, fallen deutlich aus:

  • Semaglutid führte im Studiendurchschnitt zu einem Gewichtsverlust von 11 bis 17 Prozent des Körpergewichts.
  • Tirzepatid erzielte Werte zwischen 15 und 23 Prozent, über einen etwas längeren Zeitraum.
  • Liraglutid wirkt nach demselben Prinzip und wird ebenfalls zur Behandlung eingesetzt.

Wichtig zu wissen: Diese Wirkstoffe sind keine Lifestyle-Produkte. Sie richten sich an Menschen mit Adipositas oder starkem Übergewicht mit Begleiterkrankungen und gehören in eine ärztlich begleitete Therapie.

Was nach dem Absetzen passiert

Die Studie wertet 48 relevante Untersuchungen aus und zeigt ein klares Muster: In den meisten Fällen steigt das Gewicht nach dem Ende der Therapie wieder an.

Der Verlauf folgt dabei einer typischen Kurve: Zunächst geht es vergleichsweise schnell, dann verlangsamt sich die Zunahme. Für die Beschreibung des Verlaufs werteten die Forschenden sechs Studien mit insgesamt 3.236 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Nach einem Jahr haben Betroffene im Durchschnitt rund 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zugenommen.

Auf Basis eines mathematischen Modells schätzen die Autoren, dass sich das Gewicht langfristig bei etwa 75 Prozent des verlorenen Gewichts einpendeln könnte. Das wäre ein Plateau – also ein Punkt, an dem die Zunahme dann aufhört. Allerdings handelt es sich dabei um eine Hochrechnung jenseits der beobachteten 52 Wochen. Echte Langzeitdaten über viele Jahre fehlen noch.

Trotz der Gewichtszunahme blieben viele Studienteilnehmer in den untersuchten Verläufen unter ihrem ursprünglichen Ausgangsgewicht, das zwischen 104 und 112 Kilogramm lag. Ob das im Alltag außerhalb von Studien genauso gilt, ist allerdings offen. Dr. Adam Collins, Associate Professor für Ernährungswissenschaften an der University of Surrey, weist darauf hin, dass Studienteilnehmer unter Beobachtung häufig gesundheitsbewusster leben als im normalen Alltag – und dass die Studienergebnisse die Realität deshalb günstiger abbilden könnten, als sie tatsächlich ist.

Ein weiterer Befund aus vergleichbaren Untersuchungen gibt zu denken: Manche Teilnehmer überschritten nach dem Absetzen sogar ihr ursprüngliches Startgewicht. Daten des Beijing University People's Hospital deuten zudem darauf hin, dass ein besonders starker Gewichtsverlust während der Therapie mit einer besonders ausgeprägten Gewichtszunahme danach verbunden sein kann.

Warum viele die Therapie nicht planmäßig beenden

Nicht immer ist das Ende der Therapie eine freiwillige Entscheidung nach einem erfolgreichen Verlauf. Studien zeigen, dass rund die Hälfte aller Anwenderinnen und Anwender die Behandlung vorzeitig abbricht. Die häufigsten Gründe:

  • Nebenwirkungen: Vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können die Verträglichkeit im Alltag erheblich einschränken.
  • Kosten: In Deutschland werden die Kosten – mehrere hundert Euro im Monat – von der gesetzlichen Krankenversicherung in der Regel nicht übernommen.
  • Versorgungsprobleme: Lieferengpässe und Verschreibungsregeln erschweren manchmal den dauerhaften Zugang.

Ein Abbruch ist also häufig keine Frage der Motivation, sondern eine Reaktion auf praktische oder körperliche Belastungen.

Was die Forschung als nächstes untersucht

Die Wissenschaft sucht nach Wegen, den Therapieerfolg länger zu erhalten. Ein diskutierter Ansatz ist das schrittweise Ausschleichen der Medikation: Statt die Therapie abrupt zu beenden, wird die Dosis nach Erreichen des Zielgewichts individuell reduziert. Ziel ist es, das Gewicht zu halten und gleichzeitig die Verträglichkeit zu verbessern.

Ob eine vollständige Gewichtsstabilisierung ohne dauerhafte Medikation möglich ist, wird in der Fachwelt aktuell diskutiert. Eindeutige Antworten gibt es dazu noch nicht. Die Forschung steht hier noch am Anfang.

Was Patientinnen und Patienten daraus mitnehmen können

Viele Fachleute betrachten diese Medikamente inzwischen als Langzeittherapie – vergleichbar mit einem Blutdrucksenker, der dauerhaft eingenommen werden muss, um seine Wirkung aufrechtzuerhalten. Wer die Behandlung beendet, muss damit rechnen, dass das Gewicht zumindest teilweise zurückkommt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Therapie sinnlos wäre. Es bedeutet, dass die Frage nach Dauer, Ziel und Absetzzeitpunkt von Anfang an Teil der Behandlungsplanung sein sollte – gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt, die oder der die persönliche Situation kennt.

Ohne eine dauerhafte Veränderung von Ernährung und Lebensstil bleibt das Risiko eines Rückfalls nach aktuellem Kenntnisstand hoch – unabhängig davon, wie gut die Therapie gewirkt hat.

FAQ: Häufige Fragen zum Absetzen der Abnehmspritze

Nehme ich nach dem Absetzen zwangsläufig wieder zu?

Die Datenlage zeigt, dass das Gewicht in den meisten Fällen wieder ansteigt. Wie stark, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem davon, ob Ernährungs- und Lebensstilveränderungen dauerhaft beibehalten werden.

Wie schnell kehrt das Gewicht zurück?

Der Anstieg erfolgt zunächst relativ zügig und verlangsamt sich im Verlauf. Nach einem Jahr sind im Studiendurchschnitt rund 60 Prozent des verlorenen Gewichts zurückgekehrt.

Kann ich die Dosis langsam reduzieren statt abrupt abzusetzen?

Das schrittweise Ausschleichen der Dosis wird aktuell als mögliche Strategie erforscht. Ob und wie das im Einzelfall sinnvoll ist, sollte ärztlich besprochen werden.

Muss ich das Medikament dauerhaft nehmen?

Viele Fachleute sehen diese Therapie inzwischen als Langzeitbehandlung. Wie lange sie im Einzelfall sinnvoll ist, lässt sich nur im persönlichen Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt klären.

Quelle

Budini B, Luo S, Tam M, Stead I, Lee A, Akrami A, Vidal-Puig A, Park A. Trajectory of weight regain after cessation of GLP-1 receptor agonists: a systematic review and nonlinear meta-regression. eClinicalMedicine (The Lancet). Veröffentlicht: 4. März 2026.

Link: https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(26)00043-X/fulltext

 

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